Interview mit Aufsichtsrat: "Wir setzen auf die Menschen"
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Im Zuge der 20 Prozent-Beteiligung des Finanzinvestors RHJ International an der quirin bank, wurde der ehemalige Dresdner Bank Vorstand Heinrich Linz in den Aufsichtsrat der Bank berufen. Im Interview spricht Linz über seine Wurzeln und nachhaltiges Banking.
Herr Linz, herzlichen Glückwunsch zur Ernennung in den Aufsichtsrat der quirin bank. Warum hat RHJI die Anteile der quirin bank gekauft?
Vielen Dank, vom Glück kann man ja nie genug haben. Die Anteile wurden uns angeboten, vermittelt vom Vorstand der quirin bank. Wir sehen uns somit als „Wunschkandidat“. RHJI hat im Jahr 2007, dem Jahr meines Eintritts, den Strategiewechsel weg von Industriebeteiligungen hin zu den Financial Services beschlossen. Seither ist es unsere Absicht, RHJI in einen Finanzdienstleister zu wandeln. Damit wird aus einem Finanzinvestor schließlich ein „strategischer Investor“. Die Entscheidung für das Investment „quirin bank“ ist somit ein Investment mit strategischem Potential. Aber gekauft haben wir eine Minderheitsbeteiligung an einer jungen aufstrebenden Bank mit einem begeisterten und begeisternden Management Team.
Beteiligungsgesellschaften gelten ja als Heuschrecken und nicht als Investoren für nachhaltige Investments. Warum gerade die quirin bank? Was gefällt Ihnen am Konzept?
Heuschrecken kommen in Schwärmen, fressen die Felder kahl und ziehen weiter. Ich habe meine Wurzeln in der Landwirtschaft. Ohne Aussaat keine Ernte. Ohne Düngung keine Nachhaltigkeit. Wir suchen bei der quirin bank nicht die „schnelle Mark“. Banking is a people business, sagt man und wir setzen mit unserem Investment eben auf die Menschen, die in der quirin bank arbeiten und die für aktuelle und zukünftige Erfolge mit dem Geschäftsmodell stehen.
Welche Renditeanforderungen haben Sie an die quirin bank und mit welchen Maßnahmen wollen Sie die Rendite erhöhen?
Im Moment geht es nicht um Rendite, sondern darum, den Break Even zu schaffen. Die Maßnahmen hierzu legt der Vorstand fest. Ich sehe als Aufsichtsrat meine Aufgabe zurzeit auch darin, dem Vorstand die veranschlagte Zeit zu lassen und ihn bei der Zielerreichung zu unterstützen.
Mit welchem Zeithorizont haben Sie sich bei der quirin bank engagiert?
Zurzeit erleben wir global eine Verschnaufpause in der globalen Finanzkrise. Das ist keine Zeit für hektisches kurzfristiges Denken: Wir haben Kapital in eine junge Bank mit einem soliden und Erfolg versprechenden Geschäftsmodell investiert. Wir wollen die Bank und unser Investment mittel- und langfristig wachsen sehen.
Wie könnte man das Konzept der quirin bank aus Ihrer Sicht noch erweitern?
Zunächst geht es um nachhaltigen Erfolg im Kerngeschäft. Dies ist bei der quirin bank sauber definiert. Wenn man im Kerngeschäft Geld verdient, dann kann man mit Teilen davon neue Risiken nehmen, also das Kerngeschäft um weitere Dienstleistungen erweitern. Aber bitte in dieser Reihenfolge.
Sie sind ja bekannt, dass Sie die Mehrheit bei Unternehmen übernehmen. Wollen Sie die Mehrheit der quirin bank übernehmen?
Die Mehrheit sucht man dann, wenn man glaubt, dass man es besser kann, wenn man mit einer anderen Mannschaft mehr aus einem Unternehmen machen will oder muss. Wir aber glauben an Herrn Schmidt und seine Kollegen, wir sind überzeugt, dass sie es besser können als andere und werden sie dabei so gut unterstützen wie wir können, aber eben konsequenterweise als Minderheitsaktionär.