US-Immobilienbaisse führt zu weltweiter Rezession und Kursrückgängen
03. März 2008, Berlin
- quirin bank-Studie warnt vor den Folgen der geplatzten Spekulationsblase
Die quirin bank in Berlin warnt vor einer weltweiten Rezession und Kursrückgängen an den Börsen. Laut einer Analyse der Bank ist es zu 70 Prozent wahrscheinlich, dass es in den Vereinigten Staaten zu einer deutlichen wirtschaftlichen Abschwächung kommt, die auf den Rest der Welt übergreift. Hauptursache dafür ist nach Auffassung von Claus Vogt, Leiter Research der quirin bank, das Platzen der Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt. Sie sei Ursache der Immobilienbaisse in den Vereinigten Staaten, die zu gewaltigen Kreditausfällen der Banken geführt habe.
In der Vergangenheit haben, laut Vogt, extrem niedrige Zinsen in Kombination mit deutlich steigenden Immobilienpreisen einen Hypothekenkreditboom erzeugt. Amerikanische Hauseigentümer versilberten die Preissteigerungen mit der Aufnahme von Krediten in Höhe von Hunderten Milliarden US-Dollar. Etwa die Hälfte davon sei in den Konsum geflossen und habe so das US-Wirtschaftswachstum stabilisiert. Mit dem Platzen der Blase sei diese wichtige Kreditquelle versiegt. Vogt: „Es wird eine vom Konsumenten ausgehende Rezession geben, in der die Arbeitslosigkeit um mehrere Prozentpunkte steigen wird. Außerdem wird es, wie in jeder Rezession, eine Flut von Unternehmensinsolvenzen geben. Aufgrund des Booms im Private Equity-Bereich wird diese Flut wesentlich stärker ausfallen als in vergangenen Zyklen." Der Finanzexperte ist davon überzeugt, dass der notwendige Bereinigungsprozess gerade erst begonnen habe. Neben dem privaten stehe auch der gewerbliche Immobiliensektor vor einem Abschwung. Neben den US-Frühindikatoren deuten auch die Zinsstrukturkurve sowie die Einzelhandelsumsätze, die Arbeitslosenstatistik und das BIP auf eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung hin.
Dies beträfe die gesamte Weltwirtschaft, da sich der Anteil der US-Wirtschaft am Weltsozialprodukt noch immer auf 31 % belaufe. Japan steuere 14 % bei, gefolgt von China mit 6 % und Deutschland mit 5,5 %. Eine Abkopplung der Weltwirtschaft von Amerika aufgrund des China-Effekts sei vor diesem Hintergrund wenig wahrscheinlich – zumal die USA der wichtigste Exportmarkt Chinas seien.
Die Immobilienblase und die damit einhergehenden Fehlallokationen gewaltiger Kapitalströme werden nach Auffassung der quirin bank zu weiteren erheblichen Kreditausfällen führen. Dies zwinge die ohnehin schon gebeutelten Banken zu einer noch restriktiveren Kreditvergabe. Eine Entwicklung, die ihrerseits die Rezession verstärken und zu einem Teufelskreis führen könne. Damit einher gehe eine Aktienbaisse, zumal die Fundamentaldaten aufzeigten, dass die US-Aktien noch immer sehr hoch bewertet seien und die Gewinnmargen der Unternehmen sich auf Rekordniveau befänden.
Auch Zinssenkungen und fiskalpolitische Ankurbelungsprogramme könnten diesen Prozess nicht aufhalten, sondern bestenfalls den Bereinigungsprozess in die Länge ziehen.